Gleichstellung im Sport

Gleichstellung im Sport ist im Kontext der Gleichstellung in der Gesellschaft zu betrachten.

In der Rubrik „Gleichstellung im LSV S-H“ können Sie sich über konkrete Planungen und Projekte im Bereich der Gleichstellung im Landessportverband Schleswig-Holstein sowie über neue Entwicklungen oder Ereignisse aus dem Bereich Gleichstellung im organisierten Sport informieren.
Der LSV unterstützt seine Mitgliedsorganisationen bei der Gleichstellungsarbeit im organisierten Sport auf vielfältige Weise:
- Sensibilisierung für Gleichstellungsthemen im Ehrenamt und Hauptamt
- Informationen über Chancen und Herausforderungen von Gender Mainstreaming und Diversity Management
- Konzeption und Durchführung von Fortbildungen und Veranstaltungen
- Bereitstellung von Arbeitsmaterialien
- Öffentlichkeitsarbeit
- Entwicklung einer Gleichstellungsstrategie und eines Gleichstellungsplanes

Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben oder Unterstützung benötigen, wenden Sie sich gerne an uns!

Was bedeutet Gleichstellung?

Gleichstellung bedeutet, dass alle Geschlechter, unabhängig von Herkunft, Alter, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung die gleichen Zugangschancen, Rechte, Pflichten und Möglichkeiten in allen Bereichen des Lebens haben. Das gilt u.a. für die Erwerbsarbeit, die Versorgungsarbeit für Haushalt und Kinder, den Einfluss auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik und auch für den Sport.

Die Gleichstellungsarbeit im LSV wirkt darauf hin, die Gleichbehandlung und Chancengleichheit aller Geschlechter mit Hilfe von Gender Mainstreaming (GM) auf allen Ebenen im organisierten Sport strukturell zu verankern und durch entsprechende Maßnahmen auf die gleichberechtigte Teilhabe, Partizipation und Einflussmöglichkeiten im organisierten Sport hinzuwirken. Gender Mainstreaming lässt sich am besten mit Leitbild der Geschlechtergerechtigkeit übersetzen. Das bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben und Entscheidungen die unterschiedlichen Auswirkungen auf die Lebenssituationen und Interessen aller Geschlechter grundsätzlich und systematisch zu berücksichtigen.

Warum (noch) Gleichstellungsarbeit?

Seit 1949 gilt die gesetzliche Gleichberechtigung von Mann und Frau. Gesetze alleine reichen aber offensichtlich nicht aus, um Denken und Verhaltenstendenzen grundlegend zu verändern. Die tatsächliche Umsetzung gleicher Rechte und echter Chancengleichheit ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen immer noch nicht Realität. Beispiele sind u.a. die unterschiedliche Verteilung von Lohn und Vermögen, der unterschiedliche Anteil an Haus- und Care-Arbeit und die unterschiedliche Repräsentation in politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Führungs- und Entscheidungsfunktionen.

Positive Effekte der Gleichstellungsarbeit sind ...

  • sie ermöglicht bessere Arbeitsergebnisse. Viele Studien zeigen, dass gemischte und vielfältige Teams erfolgreicher agieren.
  • sie unterstützt die Verwirklichung der Chancengleichheit und der echten Wahlfreiheit für einen individuellen Lebensentwurf.
  • sie hilft, die vielfältigen Potenziale zu erkennen und zu nutzen (auch ein volkswirtschaftlicher Vorteil).
  • sie entwickelt Realitäten, die sicher stellen, dass alle Geschlechter die gleichen Möglichkeiten, Zuständigkeiten und Verbindlichkeiten haben, ihren Beitrag zu leisten – zu Hause, beim Sport, am Arbeitsplatz und im Ehrenamt –, womit sich ihr eigenes Wohlergehen und das der Gesellschaft erhöht.

Veränderungen sind nicht immer einfach, und es braucht Wissen, Initiativen, Handelnde und Zeit, bis sich tief verwurzelte Einstellungen im Kontakt mit einer sich wandelnden Realität verändern. Darum ist Gleichstellungsarbeit wichtig!

 

Warum ist Gleichstellungsarbeit für den organisierten Sport wichtig?

In den letzten Jahren ist sowohl in der Gesellschaft als auch im Sport viel passiert: Die Anzahl der Frauen in den Vereinen ist gestiegen, der Frauenanteil in beschließenden Organen hat sich erhöht, die Verteilung der Ressourcen wurde gerechter, die Frauen haben große Erfolge in einigen Sportarten errungen. Es gab und gibt eine Entwicklung nach vorne, aber noch immer bleibt viel zu tun, bis sowohl die Gesellschaft als auch der organisierte Sport gleichgestellt ist.Ein retardierender Umstand ist, dass das Sportvereinswesen von Männern gegründet wurde und daher noch immer stark von männlichen Normen und Machtstrukturen geprägt ist.

Ausgrenzungen und Vorurteile gegenüber den Geschlechtern sind im Sport weniger geworden, aber es gibt sie noch. So dürfen Frauen erst seit kurzem offiziell Skispringen, aber Nordische Kombination dürfen sie noch nicht betreiben. Männer haben inzwischen die Erlaubnis an internationalen Wettbewerben im Synchronschwimmen teilzunehmen, aber keinen Zugang zu Wettbewerben der Rhythmischen Sportgymnastik oder Schwebebalken. Im Leistungssport erhalten Männer (als Aktive, Trainer oder Berichterstatter) oft höhere Prämien und verdienen mehr als Frauen.

Auch in der Sportberichterstattung sind die Geschlechterunterschiede sichtbar. Über Frauensportwettbewerbe wird deutlich weniger und anders in den Medien berichtet. Sportlerinnen werden oft trivialisiert und ihr Aussehen und Verhalten im Verhältnis zu ihren sportlichen Leistungen deutlich stärker in den Vordergrund gerückt als bei Männern. Ein konkretes Beispiel aus dem Tennis ist hier beim Deutschlandfunk nachzulesen (Spiel-Satz-Sexismus). Ausführlicher ist die Studie der Bundeszentrale für politische Bildung zur Medienpräsenz von Sportlerinnen.

51% der Einwohner Deutschland sind weiblich. Nach einer Studie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind insgesamt Frauen sportlich aktiver als Männer. Trotzdem beträgt ihr Anteil in den Sportvereinen nur 40%. Dagegen ist in Fitnessstudios und Sportkursen z.B. der Volkshochschulen der Frauen-Prozentsatz deutlich höher. Daraus lässt sich schließen, dass die Angebote und Strukturen des Vereinssports den Wünschen und Bedürfnissen von Männern öfter gerecht werden, als den Wünschen von Frauen.

Andersherum ist zu beobachten, dass Männer im Gesundheits-und Präventionssport der Vereine unterrepräsentiert sind, obwohl sie häufiger als Frauen z.B. von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkten betroffen sind. In diesem Sektor können durch entsprechende Gleichstellungsmaßnahmen spezielle Angebote für die Zielgruppe Männer geschaffen werden.

In den Führungsgremien des organisierten Sports in Deutschland sind Frauen (noch immer) nur gering vertreten. Im DOSB liegt der Frauenanteil im Präsidium bei 30% und in den Landessportbünden/-verbänden beträgt der Durchschnitt 24,4%, in den Spitzenverbänden 16,8%.
Weitere Details für die Bundesebene finden im aktuellen DOSB-Gleichstellungsbericht, für den Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV S-H) hier.

Fazit:
Es gibt im noch viele Bereiche im organisierten Sport die in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter optimiert werden können und müssen.
Verbände, Vereine und Abteilungen, die sich dieser Herausforderung stellen und bestehende Hemmnisse beseitigen, erweitern ihre Zielgruppen und werden dadurch wettbewerbsfähiger. Sie gewinnen neue Mitglieder und ehrenamtlich engagierte Personen. Zudem verbessern sie ihr Image und werden attraktiver für (potentielle) Sponsoren.

 

Ist Gleichstellung (auch) ein Männerthema?

Gleichstellung ist nicht nur von und für Frauen ein Thema, sondern für alle Menschen. Denn alle Geschlechter können durch Klischees und festgefahrene Rollenerwartungen eingeengt werden und Nachteile erleben. Bei der Gleichstellung geht es darum gemeinsam eine chancengleiche Welt zu schaffen.
Dabei sind Männer nicht nur als Unterstützer (z.B. #heforshe-Kampagne), sondern auch als eigenständige Akteure wichtig, damit alle gemeinsam Fortschritte erzielen.

Wer profitiert konkret?

a) die Gesamtgesellschaft
Studien belegen, dass mehr Gleichstellung sich nicht nur positiv auf den einzelnen Menschen, sondern auf die ganze Gesellschaft auswirkt: Länder mit einem gerechteren Geschlechterverhältnis sind ökonomisch erfolgreicher, sozial balancierter und kulturell innovativer. Männer (und Frauen) die sich für Gleichstellung engagieren, verbessern die Gesellschaft, stärken die Wirtschaft und machen die Politik zukunftssicher.

b) die Mädchen und Frauen
Männer können durch das Begrüßen und Unterstützen von Gleichstellungsmaßnahmen mit dafür eintreten, diese Benachteiligungen abzubauen. Dies ist umso wichtiger, als sie (noch) häufiger zu denjenigen gehören, die aktuell Führungsverantwortung tragen und Entscheider sind.

c) die Jungen und Männer
Statistiken belgen, dass Männer früher sterben und öfter von Alkoholkrankheit und Drogenabhängigkeit betroffen sind. Ein Grund dafür ist die sogenannte „Toxische Männlichkeit“. Sie beschreibt den (meist) ungesünderen Lebensstil, der durch stereotype, konservative Männlichkeitskonzepte entsteht.
Gleichstellung führt zu einem gesünderen Bild von Männlichkeit jenseits von vermeintlichen gesellschaftlichen Erwartungen wie sich ein Junge oder ein Mann zu verhalten hat.Gelebte Gleichstellung hält für Männer außerdem ein größeres Repertoire von Berufs-und Lebensplanungen bereit. Es gibt z.Z. noch viele Strukturen und gesellschaftliche Vorurteile die Männer an der Verwirklichung ihrer individuellen Lebensentwürfe und -wünsche hindern.
Ein prominentes Beispiel ist die Vereinbarung von Beruf und Familie. Nach einer Umfrage des Bundesfamilienministeriums möchten 42 Prozent der Männer eine Partnerschaft, in der beide erwerbstätig sind und sich etwa gleich viel um Haushalt und Kinder kümmern. Die Realität ist weit davon entfernt. Männern in längerer Elternzeit berichten häufiger als Frauen von Repressalien nach dem Wiedereinstieg und Männer die in Teilzeit arbeiten sind nicht nur großem Erklärungszwang ausgesetzt sondern verpassen dadurch dann auch (wie Frauen) den Anschluss an eine gute Lohnentwicklung. Auch in der Berufswahl schränken Geschlechterstereotype viele Jungen und Männer ein.

Auch im Sport berichten Männer in „typischen Frauensportarten“ auch noch in diesem Jahrhundert von Häme und Unverständnis ihrer Geschlechtsgenossen und/oder Vorurteilen bezüglich ihrer sexuellen Orientierung.

Ziel der Gleichstellungsarbeit im LSV ist es, dass im organisierten Sport für alle Geschlechter alle Wege abseits von Rollenklischees und ohne Diskriminierungen offen stehen, denn das hat für alle positive Auswirkungen auf die Lebensrealität und –qualität!