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27.02.17 16:33 Alter: 290 days

LSV-Projekt "Integrationslotsen" ist Projekt des Monats Februar 2017 beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Rubrik: Landessportverband Startseite

 

Integrationslotsen bringen Geflüchtete in den Sport

Es hat einen Schubser gebraucht, um das Thema ins Rollen zu bringen. Jetzt kann Margarethe Germ, Referentin des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ beim Landessportverband Schleswig-Holstein (LSV), gespannt die Diskussion verfolgen: Beim Gespräch mit den Integrationslotsen Petra Kärgel vom Wedeler TSV und Mehmet Karakavak vom Elmshorner MTV wechseln Fragen, Antworten, frische Ideen und Lösungsansätze rasant wie beim Tennis über den Tisch: Wie gelingt die erste Kontaktaufnahme zu Migrantinnen und Migranten und Geflüchteten? Wer hilft beim Dolmetschen? Welche Sportangebote kommen am besten an? Schnell sind die beiden Integrationslotsen beim Treffen mit Margarethe Germ mitten in ihrer Arbeit.

Die enge Vernetzung zwischen den Integrationslotsen hilft Petra Kärgel (TSV Wedel) und Mehmet Karakavak (Elmshorner MTV), Ideen umzusetzen und Ansprechpartner bei anderen Institutionen zu finden. (Foto: Ralf Abratis)

Intensivschulung zur interkulturellen Kompetenz

Auf die Schiene gesetzt wurde die Ausbildung zum zertifizierten "Integrationslotsen im Sport" im vergangenen Sommer durch den LSV in Kooperation mit den Bundesprogrammen "Integration durch Sport", "Zusammenhalt durch Teilhabe" sowie dem Landesprogramm "Sport für ALLE – Sport mit Flüchtlingen" – und das mit großer Resonanz. Im ersten Ansatz stiegen 16 Frauen und Männer ein, um sich zur Integrationslotsin bzw. zum Integrationslotsen für die Integration durch Sport schulen zu lassen. Inzwischen sind 25 in der Ausbildung. In Info-Veranstaltungen, Vernetzungstreffen und drei Intensiv-Lerneinheiten über insgesamt 45 Stunden werden die Lotsinnen und Lotsen in interkultureller Kompetenz gestärkt, sie entwickeln Strategien zur Konfliktlösung und arbeiten an der Prävention gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. „Wir haben intensiv ausgelotet, welche Kompetenzen erforderlich sind, um Vereine interkulturell zu öffnen und Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte in den Sport zu bringen. Dabei konnten wir aus den bestehenden Projekten auf einen Pool von bewährten Referentinnen und Referenten zurückgreifen“, berichtet Margarethe Germ.

Trockene Themen? „Überhaupt nicht!“, sagt Petra Kärgel. „Wir haben viel gelacht und mit witzigen Spielen gelernt, wie man Vertrauen aufbauen kann.“ Die Moderatoren, Migranten aus Kasachstan, haben ihre Erfahrungen auf einfache, aber trotzdem anspruchsvolle Weise vermittelt. Die Reflexion eigener Gefühle beim Ankommen in einer neuen Umgebung hat dabei sehr geholfen, die Situation der Geflüchteten nachzuempfinden. Eine Inspiration sei die Arbeit mit den anderen Lotsinnen und Lotsen gewesen, schwärmt Petra Kärgel und trifft damit auch den Tenor von Mehmet Karakavak: „Viele Charaktere, viele Erfahrungen sind an den Wochenenden zusammengetroffen. Und die Themen behandelten genau das, was man wissen wollte“, berichtet der 53-Jährige, der mit fünf Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam und als Gastarbeiterkind selbst einen erfolgreichen Integrationsweg durchlaufen hat. Der EMTV war damals sein erster Verein. Jetzt kann er sich von der anderen Seite in die Integration einbringen: „Ich bin total begeistert.“

Brückenbauer für die Verknüpfung der Initiativen

Zur Integrationsarbeit war es sowohl für Mehmet Karakavak als auch für Petra Kärgel, die als Ratsfrau in Wedel den Einsatz für eine gelebte Willkommenskultur verschiedener Institutionen in ihrer Gemeinde miterlebt hat, nur ein kleiner Schritt. Und doch gab es einen Graben zu überwinden. Mit Blick auf eine mögliche Koordination der vielen bestehenden Initiativen, die sich im Bereich Integration stark machen, stellte sich die Frage: Wer nimmt die Fäden in die Hand? Als geeigneter Brückenbauer erwies sich hier das Integrationslotsen-Projekt des LSV. Denn die Integrationslotsinnen und -lotsen schaffen eine Verbindung zwischen Geflüchteten, Ansprechpartnern in Kommunen, Sportvereinen und -verbänden sowie in der Region tätigen Integrationsinitiativen. Gefördert mit Bundesmitteln ist es möglich, die Integrationslotsinnen und -lotsen bei den Vereinen/Verbänden auf Minijob-Basis anzustellen. Jetzt sind sie die Schnittstelle zu den Geflüchteten. Sie sind Ansprechpartner für die Kommunen, werden bei Sitzungen um Rat gefragt und im Willkommens-Café, der regelmäßigen und zwanglosen Zusammenkunft von Geflüchteten und ehrenamtlichen Unterstützern in den Gemeinden, angesprochen.

„Der Wedeler TSV wollte sich neu aufstellen und sich für eine Willkommenskultur einsetzen. Doch bis vor einem Jahr hatte der Sport noch gar keine Präsenz in der Flüchtlingsthematik. Dabei ist gemeinsames Sporttreiben die Methode, um Deutsch zu lernen, um Kontakte und Freundschaften zu knüpfen“, sagt Petra Kärgel. „Dank des Integrationslotsenprojektes des LSV ist die integrative Wirkung von Sport in das Bewusstsein gerückt.“

Einzelne Sportprojekte mit Migrantinnen und Migranten und Geflüchteten gab es schon vorher - denn das Programm Integration durch Sport des Deutschen Olympischen Sportbundes gibt es bereits seit über 25 Jahren. Durch den Einsatz der Integrationslotsinnen und -lotsen werden die Sportprojekte jetzt jedoch noch stärker als zuvor zur festen Institution. Im März 2016 hat Mehmet Karakavak Mitternachtsfußball für Flüchtlingsmannschaften ausgerichtet. Zwölf Teams nahmen teil. Als Integrationslotse hat er das Event im November wiederholt und stieß auf noch größere Resonanz. Von was der Erfolg der Integrationslotsen abhängt? Von einem guten Netzwerk, regelmäßigem Erfahrungstausch, kurzen Wegen und vor allem vom Engagement.

Vielfältige Kooperationen und Erfahrungsaustausch

Nun wartet die nächste Aufgabe: die Einbindung der Geflüchteten in bestehende Mannschaften – Integration eben. Nicht immer einfach, denn Spielstärke und Mannschaftsniveau müssen zusammenpassen, und der Kader muss noch Platz haben. Auch andere Hürden müssen genommen werden. Einheitliche Trikots fördern den Teamgedanken, weiß Petra Kärgel und erfährt von Margarethe Germ sogleich, wo es Unterstützung bei der Anschaffung gibt. Auch die Mitgliedsbeiträge sind ein Thema, für das der EMTV eine Lösung parat hat: Patinnen und Paten übernehmen die Beiträge der Geflüchteten. Dabei übersteigt der Andrang auf die Patenstellen sogar die Nachfrage. Auf diese Weise fügen sich die Puzzleteile zusammen und das Integrationslotsennetzwerk macht Kooperationen einzelner Initiativen und Erfahrungsaustausch möglich: Infomaterial zu den Integrationslotsen im Sport liegt in den Willkommens-Cafés aus, sprachbegabte Geflüchtete werden als Dolmetscher vermittelt, Lücken in den Hallenbelegungen werden genutzt, um spezielle Angebote für Frauen und Kinder zu machen.

Vereine/Verbände in Integrationsarbeit angekommen

In 13 der 15 Kreise und kreisfreien Städte in Schleswig-Holstein haben inzwischen Integrationslotsinnen und Integrationslotsen ihre Arbeit dank der Finanzierung durch Bundesmittel aufgenommen. Petra Kärgel sieht bei kleinen und finanzschwachen Vereinen zwar Probleme, sollten die Integrationslotsen künftig eigenfinanziert werden müssen, ist aber dennoch vom Erfolg überzeugt: „Die Kooperationen sind angeschoben. Der Sport ist nun in der regionalen Integrationsarbeit präsent.“ Für den Großverein EMTV steht eine Weiterführung außer Frage: „Wir haben bei diesem Angebot gern zugegriffen und werden das unabhängig von einer Förderung weiterführen“, sagt Uwe Altemeier, Zweiter Vorsitzender des EMTV. „Der Begriff Lotse ist wirklich wunderbar gewählt. Genau darum geht es: Für eine kurze Zeit das Steuer zu übernehmen und die Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten so in den Sport zu führen.“

 


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